Jeder Wissenschaftler kennt das Problem, sich relevante Informationen schnell und unkompliziert zu beschaffen. Im Zeitalter des Computers und der Vernetzung gibt es neben der Recherche in Online-Datenbanken und dem World Wide Web (WWW) eine weitere interaktive rechnergestützte Informationsquelle. Es sind dies die sogenannten "NetNews" (auch "USENET-News" oder einfach nur "News").
NetNews ist ein internationaler Kommunikationsdienst, an dem weltweit über 300.000 Serversysteme von Universitäten, Grossforschungseinrichtungen, Firmen und Privatleuten mit schätzungsweise zwölf Millionen Benutzern (Lesern) teilnehmen. Im Wesentlichen kann man die NetNews mit einer grossen Zeitung vergleichen, die nur aus Leserbriefen besteht, eingeteilt in verschiedene Rubriken, die hier "Newsgroups" oder "Newsgruppen" genannt werden. Manche Benutzer vergleichen sie auch mit einem grossen "schwarzen Brett" und bezeichnen die einzelnen Gruppen als "Bretter". Zur Zeit (November 1996) existieren ca. 5000 international verbreitete englischsprachige Gruppen in ca. 25 formalen Hierarchien sowie ca. 290 deutschsprachige Gruppen in der Hierarchie "de". Zählt man noch die grösseren regionalen bzw. nationalen Hierarchien dazu, so kommt man derzeit auf ca. 17.000 Newsgruppen. Die Newsgruppen lassen sich grob in drei Bereiche aufteilen: Computerbezogene Themen, wissenschaftliche Themen und Themen aus allen Gebieten des täglichen Lebens (Politik, Freizeit, Religion, Gesellschaft, Kultur).
Das Grundprinzip im USENET, so nennt man die Gesamtheit der an den NetNews teilnehmenden Rechner, beruht darauf, dass jeder Benutzer eigene Mitteilungen oder Kommentare zu Nachrichten anderer Benutzer in das Netz schicken kann. Auf diese Mitteilungen und Kommentare (sogenannte "Postings" oder "Artikel") können dann wieder andere antworten, so dass eine regelrechte Diskussion über die betreffenden Themen entsteht.
An einer solchen Diskussion kann sich prinzipiell jeder beteiligen, der technisch dazu in der Lage ist. Eine Einschränkung nach Organisation, Zugehörigkeit zu Randgruppen oder Inhalt des Artikels geschieht nicht. Daß sich dennoch in einem Netz von zwölf Millionen Teilnehmern sinnvolle und konstruktive Diskussionen entwickeln können, resultiert aus der Disziplin der Benutzer. Die meisten halten sich freiwillig an übereinstimmend akzeptierte Richtlinien, die den Umgang miteinander und dem Medium NetNews regeln. So wird unter anderem erwartet, dass jeder die Artikel unter seinem eigenen Namen veröffentlicht und sich nicht hinter Pseudonymen versteckt. Ebenso sind persönliche Angriffe und Beleidigungen, aber auch kommerzielle Werbung unerwünscht. Diese Netiquette getauften Richtlinien werden regelmässig in den Newsgruppen für neue Benutzer veröffentlicht.
Die Anfänge von USENET reichen zurück bis in das Jahr 1979, als Studenten der Duke University und der University of North Carolina ein System zum Austausch von Informationen entwickelten. Die ersten Rechner, die auf diese Weise kommunizierten, hiessen duke und unc. Seit dieser Zeit hat nicht nur die Anzahl der teilnehmenden Rechner, sondern auch die Menge der transportierten Daten erheblich zugenommen. Zur Zeit beträgt die täglich erzeugte Datenmenge etwa 320 MByte in den Gruppen ohne Binärdaten (Volumen inkl. Binärdaten: 1,5 GByte). Die darin enthaltenen Informationen lassen sich nur deshalb sinnvoll nutzen, weil NetNews durch Toplevel-Hierarchien thematisch gegliedert vorliegen, die noch weiter aufgeteilt sind.